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Ungeschriebene Regeln im akademischen Umfeld

von Silke Wehr Rappo

Wie man sich adäquat in der Wissenschaftswelt bewegt.

Akademische Karriere ist (auch) eine Frage des Habitus

Regeln des Umgangs zu beherrschen, ist für den wissenschaftlichen Erfolg wichtig, nicht nur die wissenschaftliche Leistung (duz 4/2015, S. 44ff.). Jeder Berufsstand hat seinen eigenen „Habitus“ (Bourdieu). Sich in dem entsprechenden Umfeld adäquat „bewegen“ zu können, spielt bei der wissenschaftlichen Karriere eine wichtige Rolle. Die impliziten Regeln, die es z.B. bei Tagungsbesuchen oder beim Umgang mit den Vorgesetzten zu beachten gibt, können über den akademischen „Aufstieg“ entscheiden. Sich dessen bewusst und auf derartige implizite Regeln aufmerksam zu sein, kann helfen, diese im jeweiligen Umfeld zu entschlüsseln und sich anzueignen (ebd.).

Insgesamt gilt: Es gibt keinen expliziten Verhaltenskodex, nur Indizien im jeweiligen Umfeld, was erwünschtes Verhalten ist.

Forschungsprojekt zum Habitus in der Wissenschaft

In einem Forschungsprojekt zum Thema „Trajektorien im akademischen Feld“ (www.trajektorien.de) werden Bedingungsfaktoren erfolgreicher akademischer Laufbahnen untersucht. Ein Ergebnis der Studie ist, dass sich Nachwuchswissenschaftler mit einem bildungsnahen Familienhintergrund eher den berufsspezifischen Habitus aneignen können als sogenannte „Bildungsaufsteiger“. Diese Erschwernisse aufzuzeigen, ist ein Ziel des Forschungsprojektes (ebd.).

Habitus als soziale Schlüsselkompetenzen an der Hochschule erwerben

Derartige übergeordnete sozialen Schlüsselkompetenzen können schon während des Studiums thematisiert werden, sollten aber spätestens durch die Betreuungspersonen der Doktorierenden als Erfolgsfaktoren für eine wissenschaftliche Karriere genannt und unterstützend begleitet werden.

Mentoringprogramme helfen „ungeschriebene“ Regeln zu lernen

Hilfreich für die Ausbildung eines entsprechenden Habitus‘ können auch Mentoringprogramme sein, bei denen Mentoren bzw. Mentorinnen unterstützend „zur Seite stehen“, auch hinsichtlich habitueller Fragen. Für Mitarbeitende an Berner Hochschulen bietet auch die Beratungsstelle der Berner Hochschulen entsprechende Coachingangebote an.

Literatur:

Elven, Julia, Schwarz, Jörg & Rytina, Susanne (2015). Bildungsbürgerliche Wissensbestände markieren: Ich gehöre dazu. In: duz, Deutsche Universitätszeitung 4/2015, S. 44–47.