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Inverted Classroom Model (ICM)

von David Graf

Dank Stofferarbeitung im Selbststudium die Präsenzphase stärken

In der klassischen Vorlesung werden in der Präsenzphase Informationen präsentiert, welche die Studierenden anschliessend im Selbststudium vertiefen und zur Anwendung bringen sollen. Die Unterrichtsmethode des «Inverted Classroom» dreht dies Aktivitäten «um»: Die Studierende bereiten sich mit Hilfe von Lernvideos (z.B. in Form von Screencasts) auf die Präsenzphase vor – sie eignen sich das Wissen also im Selbststudium an. In der Präsenzphase werden dann weiterführende Fragen im Plenum diskutiert, Übungen bearbeitet oder Fälle in der Kleingruppe besprochen.

Was vormals also zuhause und oftmals in isolierter Einzelarbeit geschah, vollzieht sich nun im sozialen Austausch mit den Mitstudierenden und im Kontakt mit den Dozierenden. Dank diesen vielfältigen Feedback-Möglichkeiten und einer stärkeren Aktivierung der Studierenden entsteht eher vertieftes Wissen. Zudem ist die Entwicklung eines Kompetenzgefühls wahrscheinlicher (vgl. Schäfer, 2012; Brinks Lockwood, 2014).

Damit die Studierenden die Inhalte im Selbststudium wirklich durchdringen, sollte die Selbstlernphase unterstützt werden. Leitfragen oder ein Advance Organizer können die aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten fördern. Automatisch auswertbare Übungsaufgaben (z.B. umgesetzt in einem «Test» auf ILIAS) dienen den Studierenden zur Überprüfung, ob sie die Inhalte wirklich verstanden haben.

In der Präsenzveranstaltung nimmt die dozierende Person vermehrt die Rolle des Moderators ein und steht beratend sowie unterstützend zur Seite. Statt Information auf Vorrat kann nun bedarfsorientiert unterrichtet und besser auf Fragen eingegangen werden.

Tipp: Prägnante Informationen zu Inverted Classroom auf e-teaching.org

Im Kurs «Best of Frontalunterricht» im hochschuldidaktischen Programm der Uni Bern werden weitere Möglichkeiten zur Optimierung von Vorlesungen besprochen.

Literatur

Brinks Lockwood, R. (2014). Flip It! Strategies fort he ESL Classroom. Ann Arbor: The University of Michigan Press.

Schäfer, A.M. (2012). Das Inverted Classroom Model. In J. Handke & A. Sperl (Hrsg.), Das Inverted Classroom Model. Begleitband zur ersten deutschen ICM-Konferenz (S. 3-11). München: Oldenbourg Wissenschaftsverlag.