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Prinzip Selbstverantwortung

von Lydia Rufer

Anforderungen an Studierende als Konsequenz der Kompetenzorientierung an Hochschulen

Ziel der Kompetenzorientierung von Studiengängen ist Handlungsfähigkeit der Studierenden in ihren Professionen. In diesem Zusammenhang wird immer wieder betont, dass Dozierende ihr Selbstverständnis und ihre Rolle ändern müssen, um Studierende adäquat unterstützen zu können («from the sage on the stage to guide on the side»). Korrespondierend dazu müssen aber auch die Studierenden ihre Rolle und ihr Agieren ändern.

Folgendes können Sie von Ihren Studierenden erwarten:

Zielorientierung und Engagement beim Lernen

Um Kompetenzen zu erwerben, müssen sich Studierende eigene Ziele setzen und diese selbstständig verfolgen, z.B. im Hinblick auf die spätere Praxis.

Aktivität und intrinsische Motivation:

Studierende müssen sich von sich aus für ihren Studienerfolg einsetzen. Sie müssen sich fehlende Informationen besorgen, bei Problemen nachfragen, Feedback der Dozierenden einholen und sich für ihren Kompetenzaufbau einsetzen.

Neugier gegenüber dem Fach:

Studierende müssen sich fachliche Fragen stellen und ihnen nachgehen. Voraussetzung ist eine angemessene Vor- und Nachbereitung der Veranstaltungen, basierende auf einer fragenden Grundhaltung.

Kenntnis der Studienbedingungen:

Studierende müssen die Studienordnung beherrschen. Sie müssen wissen, was von ihnen erwartet wird und woran sie gebunden sind, aber auch, welche Freiräume sie haben.

Bereitschaft zum Erwerb der Kompetenz zur angemessenen Selbsteinschätzung:

Studierende müssen lernen wollen sich bewusst zu sein, was sie schon können und was nicht. Und sie müssen lerrnen einzuschätzen, ob sie angemessen und hinreichend arbeiten, um ihre Kompetenz aufzubauen.

Bereitschaft zum Erlernen von Eigenverantwortlichkeit im Lernprozess:

Studierende müssen lernen eigenständig zu lernen, ihre Selbststudienzeit sinnvoll zu nutzen, Neues mit ihren Vorkenntnissen in Verbindung zu bringen, Wissen zu vernetzen und Methodenkompetenzen wie Informationssuche und –bewertung, aber auch Sozialkompetenzen und Selbstkompetenzen aufzubauen. Voraussetzung ist die Bereitschaft dafür, diese Kompetenzen zu erwerben.

Viele Studierende sind sich oft über diese Erwartungen an sie gar nicht im Klaren. Machen Sie diese Erwartungen also zu Beginn Ihrer Veranstaltungen explizit. Oder empfehlen Sie ihnen sogar einen Ratgeber zum erfolgreichen Studieren zu lesen.

Literatur:

Bachmann, Heinz (2011). Hochschullehre neu definiert – shift from Teaching to learning. In: Bachmann, Heinz (Hrsg): Kompetenzorientierte Hochschullehre. Die Notwendigkeit von Kohärenz zwischen Lernzielen, Prüfungsformen und Lehr-Lern-Methoden. Bern: hep. S. 12-28

Siegel, Eva-Maria (2012). Erfolgreich studieren. Kernkompetenzen für Bachelor und Master. Ein Übungsbuch. Marburg: Tectum-Verlag