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Richtig Rückmeldung geben

von Silke Wehr Rappo

Was ist bei Feedback an Studierende zu beachten, damit es einen möglichst positiven Effekt auf das Lernen hat?

Was ist bei Feedback an Studierende zu beachten, damit es einen möglichst positiven Effekt auf das Lernen hat?

Rückmeldungen an die Lernenden sind ein wichtiger und zentraler Bestandteil im Lernprozess. Allerdings ist nicht jede Art von Feedback geeignet, den Lernprozess und -fortschritt zu fördern.

Nach Hattie und Timperley (2007) sollten zur Förderung des Lernens bei Rückmeldungen folgende Fragen im Zentrum stehen:

  1. Wohin will ich? (Feed Up)
    In diesem Fall gibt die Lehrperson Rückmeldung zu den Zielen der Lernenden.

  2. Wo stehe ich? (Feed Back)
    In diesem Fall gibt die Lehrperson Rückmeldung zum aktuellen Kompetenzstand.

  3. Was sind die nächsten Schritte? (Feed Forward)
    In diesem Fall gibt die Lehrperson Rückmeldung dazu, was die lernende Person als nächsten Lernschritt in Angriff nehmen kann.

Dabei kann Feedback auf verschiedenen Ebenen (s. untenstehende Abbildung) gegeben werden, was auch einen unterschiedlich lernförderlichen Effekt hat.

  1. Auftragsebene: Bei dieser Art von Feedback wird rückgemeldet, ob eine Aufgabe korrekt gelöst wurde und gegebenenfalls, was nicht korrekt gemacht wurde. Diese Form der Rückmeldung wird sehr häufig gegeben. Sie unterstützt eher das Oberflächenlernen

  2. Prozessebene: Hier erhalten die Lernenden Rückmeldung zum Lernprozess und zur Weiterentwicklung ihrer Fähigkeiten. Diese Art von Feedback unterstützt das Tiefenlernen

  3. Selbstregulationsebene: Hierbei soll den Lernenden ermöglicht werden, selbstregulatorische Strategien beim Lernen zu entwickeln. Beispielsweise können hier motivationale und lernpsychologische AspekteThema sein. 

  4. Personenebene: Hier wird ein Feedback zur Person gegeben, z.B. "Sie waren fleissig." Derartige Rückmeldungen sind für das Erreichen von Learning Outcomes auf eher tiefen Taxonomiestufen geeignet.

     

    FIGURE 1. A model of feedback to enhance learning. (Aus: Hattie, J. & Timperley 2007, S. 87)

Informationen an die Lernenden auf den Ebenen 2 und 3 helfen, metakognitives Wissen und Strategien aufzubauen, was wichtige Faktoren für erfolgreiches Lernen sind (Hattie 2011). Um sinnvoll Feedback zu Lernprozessen oder zu motivationalen und selbstregulatorischen Faktoren geben zu können, braucht es gezielte Planung, denn häufig sind wir es gewöhnt, nur das Lernresultat zu kommentieren. Auch das Bewusstsein dafür, welche Ebene (Auftrag, Prozess, Selbstregulation, Person) durch welche Art von Rückmeldung angesprochen wird, hilft, Rückmeldungen lernförderlicher zu gestalten.

Literatur:
Hattie, J. & Timperley, H. (2007). The Power of Feedback. Review of Educational Research,77, 1.

Hattie, J. (2011): Which Strategies best Enhance Teaching and Learning in Higher Education In: Mashek, D. & Hammer, E. Y. (eds.): Empirical Research in Teaching and Learning, Oxford: Wiley-Blackwell, Kap. 8