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Feedback durch Kollegiale Lehrbeobachtung

von Silke Wehr Rappo

Durch eine Unterrichtsbeobachtung kann man eine detaillierte Rückmeldung auf die eigenen Lehrfähigkeiten erhalten.

Um Rückmeldungen über die eigene Lehrkompetenz zu erhalten, sind Fragebogen ein beliebtes Mittel. Die Beurteilungsfähigkeit von Studierenden ist jedoch aus verschiedenen Gründen eingeschränkt. Sogenannte Verzerrungsfaktoren können die Beliebtheit des Faches oder der Zeitpunkt der Veranstaltung sein (vgl. Elfering, Grebner & Wehr 2010). Die Fremdbeobachtung durch eine Kollgin bzw. einen Kollegen (Peer) kann deshalb eine wertvolle Feedbackquelle für eigene Stärken und Entwicklungsmöglichkeiten in der Lehrtätigkeit sein (vgl. Wehr 2006).

Damit die Lehrbeobachtung zur Qualitätsentwicklung beiträgt, ist Verschiedenes zu beachten:

  1. Wichtig ist ein Vorbereitungsgespräch, in welchem die Ausbildungsziele, Qualitätsstandards und daraus abgeleitet der Fokus der Beobachtung geklärt werden.
     
  2. Die Lehrbeobachtung selbst erfolgt anhand eines Beobachtungsleitfadens, der Grundlage für die anschliessende gemeinsame Auswertung ist.
     
  3. In der Nachbesprechung findet ein Austausch von Selbsteinschätzung und Fremdbeobachtung statt. Ziel dessen ist es, Konsequenzen anhand der vorher definierten Qualitätsmerkmale abzuleiten.
     
  4. Die Rückmeldungen sind unter Anwendung allgemeiner Feedbackregeln zu geben.
     

Mögliche Dimensionen eines Beobachtungsleitfadens sind (Wehr 2008):

  • Didaktische Kompetenz
  • Fachkompetenz
  • Sprachkompetenz
  • Sozialkompetenz
     

Allgemeine Feedbackregeln erleichtern, kritische Rückmeldungen anzunehmen:

  1. Die Lehrperson darf zuerst ihre eigene Wahrnehmung mitteilen
  2. Zunächst Positives erwähnen, dann zu Verbesserndes
  3. Feedback als subjektive Meinung deklarieren (Lob, Anerkennung, Kritik als Ich-Botschaften formulieren)
  4. Möglichst genaue Beschreibung des beobachteten Verhaltens, keine Verallgemeinerungen
  5. Konstruktive Hinweise geben (Verbesserungsmöglichkeiten aufzeigen)
  6. Gegenseitiges Verstehen sicherstellen
     

Quellen:

Elfering, A., Grebner, S. & Wehr, S. (2010). Do undergraduate psychology students evaluate an obligatroy lecture in research methods unbiased from overall satisfaction with their studies? Education Science and Psychology, 2, S. 40–46.
Wehr, S. (2006). Mehrperspektivische Lehrevaluation. In: Wehr, S. (Hrsg.). Hochschullehre adressatengerecht und wirkungsvoll. Bern u. a.: Haupt.
Wehr, S. (2008). Unterrichtshospitationen lernwirksam gestalten. In: Wehr, S. & Ertel, H. (Hrsg.). Lernprozesse fördern an der Hochschule. Bern u. a.: Haupt.