...

MikroArtikel

von Lydia Rufer & Thomas Tribelhorn

Individuelles Wissensmanagement und Lernen im Studium

Studierende stellen oftmals sehr schnell Fragen an Dozierende. So ersparen sie sich die Mühe, Probleme oder Phänomene genauer zu analysieren oder gar selber auf Antworten zu stossen. Hier helfen MikroArtikel. Die systemtheoretisch inspirierte Methode war ursprünglich zum Wissensmanagement gedacht, wird inzwischen aber oft im Bildungskontext als Lerntechnik eingesetzt.

Anwendung in Lernprozessen

Mit MikroArtikeln (ohne Lücke) werden wesentliche Erkenntnisse und Fragen als Ergebnis einer Lernphase festgehalten. Somit werden individuelle Lernerfahrungen, Erkenntnisse, Ideen, Expertisen, Überlegungen, Reflexionen usw. in eine bestimmte Form gebracht. MikroArtikel können also von Lernenden erstellt werden und richten sich sowohl an die Dozierenden, die das entsprechende Fach unterrichten, als auch (bei Bedarf) an die (Fach-)Öffentlichkeit.

Ziele

Mikroartikel dienen:

  • der Dokumentation,
  • der kognitiven Aktivierung
  • der elaboratin von Lerninhalten
  • der Reflexion des Lernprozesses bei dem man auf Fragen oder Probleme gestossen ist,
  • als Grundlage für eine gezielte Wissensvermittlung,
  • zum gezielten Entwickeln eigener Lösungen seitens der Lernenden,
  • ggf. zur Lehrplanentwicklung sowie Verbesserung von Lernveranstaltungen.

Aufbau von MikroArtikeln

Die Autoren_innen erstellen MikroArtikel direkt, sobald sie im gemeinsamen Lernprozess auf nicht schwierige Fragen oder Probleme stossen. MikroArtikel sollen darum die folgende Struktur haben:

  • Kopfzeile: Thema, Problem oder Frage in Form einer Headline
  • Geschichte: Kontext, in dem das Problem bzw. die Frage aufgetaucht ist (möglichst konkret und selbst erlebt)
  • Einsicht: lessons learned, d.h. was hat nicht funktioniert bzw.Problembestimmung
  • Folgerungen: Was sind die Lösungsvorschläge
  • Anschlussfragen: Welche Informationen oder Hilfsmittel werden für weiter Schritte benötigt?
  • Kontaktadressen der Autoren/innen
  • Raum für Antworten auf die Fragen

Ein grosser Vorteil von MikroArtikeln ist, dass sie unabhängig von einer Präsenzveranstaltung formuliert werden können. Sie können z.B. von einer Arbeitsgruppe per Mail an die Dozentin/den Dozentin geschickt werden. Zudem können Dozierende die Problemstellungen und ihre Antworten in Ruhe vorbereiten und so ggf. wesentlich zeitsparender abhandeln .

Das Erstellen eines MikroArtikels ist anspruchsvoll und verlangt die reflektierte Konzentration auf die wesentlichen Inhalte. Aufgrund dieser kognitiven Leistung werden Lernprozesse ausgelöst, was MikroArtikel zu hervorragenden Lernmitteln im Hochschulstudium macht.

Weiterlesen

  • Willke H. (2004). Einführung in das systemische Wissensmanagment. Heidelberg: Carl-Auer-Verlag.
  • Willke H. (2009). Der MikroArtikel als Instrument des Wissensmanagements. In: Rietmann S., Hensen G. (eds) Werkstattbuch Familienzentrum. VS Verlag für Sozialwissenschaften

... oder weiterbilden