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Der schnelle Weg zum wirksamen Lehrvortrag

von Lydia Rufer

Stilebenen und Vortragscharaktere bewusst einsetzen

Wenn Sie Ihren Studierenden mit Ihren Lehrvorträgen wirklich etwas mitgeben möchten: überlegen Sie nicht nur, was Sie vermitteln wollen. Überlegen Sie insbesondere, was Sie erreichen möchten.

Vortragscharakter

Möchten Sie, dass die Studierenden am Ende etwas verstanden haben, Argumentationen nachvollzogen haben, informiert sind oder sich für die Thematik interessieren?

Explikation

Wenn die Studierenden etwas verstanden haben sollen: erklären Sie. Erläutern Sie in bestimmten Tonfall Zusammenhänge und Hintergründe zu einem Sachverhalt. Geben Sie Antwort auf die Frage „warum?“ Sprechen Sie hierbei langsam genug, machen Sie Pausen und achten Sie darauf, dass Sie viel mit logischen Begriffen arbeiten.

Argumentation

Wenn Die Studierenden Argumente und Argumentationen nachvollzogen haben sollen: argumentieren Sie. Erläutern Sie pro und contra, Vor- und Nachteile bestimmter wissenschaftlicher Vorgehensweisen, Theorien oder Untersuchungen. Zitieren Sie Fachpersonen und stellen Sie deren Argumente klar gegenüber.

Deskription 

Wenn die Studierenden informiert sein sollen: beschreiben Sie. Bleiben Sie bei den Fakten und vermeiden Sie Interpretationen. Gehen Sie von einem ersten Gesamtüberblick über die Thematik systematisch zu denjenigen Details, die die Zuhörenden insbesondere mitnehmen sollen.

Narration

Wenn die Studierenden sich interessieren oder einen Einblick in ein Themengebiet bekommen sollen: erzählen Sie Geschichten. Berichten Sie von spannenden oder erhellenden Erfahrungen in konkreten Situationen. Bauen Sie dabei Spannung auf und sprechen Sie anschaulich.
 

Stilebene

Möchten Sie, dass die Studierenden sich auf den Inhalt konzentrieren, dass sie Ihnen gern zuhören oder dass sie emotional in die Thematik involviert werden?

Sachlich

Wenn die Studierenden sich auf den Inhalt konzentrieren sollen: sprechen Sie sachlich. Beschränken Sie sich in Bezug auf Betonungen, nonverbale Kommunikation, Anekdoten, Geschichten und ähnliche ablenkende Elemente.

Persönlich

Wenn die Studierenden Ihnen gern zuhören sollen: sprechen Sie persönlich und ansprechend. Sprechen Sie flüssig, mit eingängiger Wortwahl, persönlicher Adressierung („ich“ und „Sie“ bzw. „Ihr“) und überschaubaren Sätzen. Betonen Sie Wichtiges und unterstreichen Sie es gestisch. Lassen Sie ab und an eine Anekdote, einen Witz oder eine Erzählung einfliessen.

Bewegend

Wenn die Studierenden emotional ins Thema involviert werden sollen: sprechen Sie emotionsbezogen. Werfen Sie Fragen auf, zeigen Sie Probleme und Lösungen, präsentieren Sie Unerwartetes auf unerwartete Weise, beziehen Sie Ihr Publikum mit ein. Sprechen Sie hierbei pointiert und anschaulich, mit emotionsbezogenen Worten und zeigen Sie eigene Emotionen (mit Betonungen wie Mimik, Gestik und Körpersprache).

Eine gute Lehrperson spricht nicht so, wie „ihr der Schnabel gewachsen ist“, sondern so, wie es das gewünschte Ziel gerade erforderlich macht. Das kann durchaus bedeuten, dass ihre Sprechweise je nach Vortragsabschnitt wechselt.
 

Literatur:

Asmuth, B. (1992): Angemessenheit. In: Ueding, G. (Hrsg): Historisches Wörterbuch der Rhetorik. Band 1: A-Bib. Tübingen: Max Niemeyer. 579-604.

http://www-user.uni-bremen.de/~schoenke/lg-edu/texttyp.html

Kurs «Best of Frontalunterricht» im hochschuldidaktischen Programm der Uni Bern