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Ethik lehren? Ethisch lehren!

von Lydia Rufer

So können Sie Studierenden die Berufsethik Ihres Faches näher bringen

Die Kompetenzorientierung der Hochschulstudiengänge stellt Dozierende vor die Herausforderung, Studierende nicht nur beim Erwerb kognitiver und psychomotorischer Kompetenzen zu unterstützen, sondern auch beim Erwerb affektiver Kompetenzen. Hierzu zählt die Berufsethik bzw. Ethik eines Faches, die sich die Studierenden als werdende Professionelle in ihrem Fachgebiet aneignen sollten.

Referate über Ethik helfen hier wenig. Aber Sie können Anderes tun:

Seien Sie Vorbild

Leben Sie den Studierenden vor, wie in Ihrem Fachgebiet ethisch reflektiert bzw. moralisch korrekt gehandelt wird. Das bezieht sich auf auch auf kommunikative Kompetenzen wie Aufrichtigkeit, Wertschätzung und Kritikfähigkeit.

Trauen Sie den Studierenden etwas zu und übergeben Sie ihnen angemessen Verantwortung

Wenn mit Lehr-/Lernmethoden gearbeitet wird, bei denen Studierende die Hauptverantwortung tragen (eigene Referate, Projektarbeit, Gruppenarbeiten, …), greifen viele Dozierende dennoch korrigierend ein, sobald falsche Aussagen gemacht werden oder es Probleme gibt. Damit werden derartige Lehr-/Lernmethoden teilweise zur Farce und die Studierenden beteiligen sich nicht adäquat, weil sie sich auf das Eingreifen der Lehrperson verlassen.
Wenn Sie den Studierenden im Vorfeld explizit die Verantwortung für konkrete Elemente der Lehrveranstaltung übergeben (z.B. falsche Aussagen von Mitstudierenden zu verbessern, auftretende Probleme zu lösen etc.), können Sie sich in die Rolle der beobachtenden Person zurückziehen und die Studierenden können wesentlich mehr lernen, indem sie selber eingreifen oder nachdenken. Im Notfall können Sie bei einer Auswertungsrunde noch Korrekturen oder Vorschläge einbringen.

Geben Sie den Studierenden Reflexionszeit in Bezug auf berufsethische Themen

Arbeiten Sie mit authentischen Problemstellungen mit auch (berufs)ethischen Aspekten und geben Sie ihnen Zeit, diese zu bedenken und zu besprechen.

Thematisieren Sie ethische Probleme und diskutieren Sie sie mit den Studierenden

Wenn die Studierenden im Austausch mit Ihnen gelernt haben, dass z.B. Plagiate kein „Kavaliersdelikt“ sind, sondern weitreichende Konsequenzen für die Forschung und das Renommee eines Faches haben, werden Sie wahrscheinlich bei Hausarbeiten weniger mit dem Plagiatsproblem konfrontiert sein.
 

Literatur:

Pätzold, Henning (Hrsg.) (2008). Verantwortungsdidaktik. Zum didaktischen Ort der Verantwortung in Erwachsenenbildung und Weiterbildung. Baltmannsweiler: Schneider Verlag Hohengehren.