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Gütemerkmale von Lehr- Lernumgebungen

von Thomas Tribelhorn

Zehn Bedingungen für wirksames «blended» oder «mobile learning»

Die Gestaltung wirksamer Lernszenarien ist eine hohe Kunst, besonders wenn elektronische Medien integriert werden. Lange war die Entwicklung von e-Learning primär technologiegetrieben, bis namhafte Autoren auf die Notwendigkeit von didaktischen Gestaltungsprinzipien hinwiesen und beispielsweise für offene Lernumgebungen plädierten (Schulmeister 2005). Die folgenden zehn Gütemerkmale nach Reusser1 dienen als Checkliste zur Gestaltung von  Lehr- Lernumgebungen, welche vertiefte Lernprozesse ermöglichen.

1. Zielklarheit

  • Herrscht (bei Lehrenden und Lernenden) Klarheit über Ziele, Erwartungen, Standards?

2. Stoffbezogene Interaktivität

  • Kann mit Lerngegenständen variabel interagiert werden?
  • Werden Exploration, Wissenserwerb und –anwendung durch interessante Lernaufgaben unterstützt?

3. Soziale Konstruktivität

  • Werden soziale Interaktion und Kooperation angeregt und unterstützt?
  • Wird diskutiert, ausgehandelt, zusammengearbeitet?

4. Reflexives Lernen, Lernen lernen

  • Wird die (Selbst)Reflexion des Lernens angeregt?
  • Werden Prozessziele wie „Lernen lernen“ bzw. den Erwerb von (methodischen) Strategien und
  • Soft-Skills gefördert?

5. Problemorientiertes, situiertes Lernen

  • Erfolg des Lernens im Geist des Problemlösens?
  • Knüpft der Wissens- und Könnenserwerb an das Vorwissen der Lernenden an?
  • Erfährt der Lehrstoff eine Einbettung in authentische, motivierende, praxisrelevante Problemstellungen?

6. Innere Differenzierung, Individualisierung

  • Trägt die Gestaltung der Lernumgebung der Heterogenität der Lerngruppe Rechnung?

7. Selbstregulation

  • Haben die Lernenden ausreichend Gelegenheit zu selbstgesteuertem Lernen?

8. Verfügbarkeit von Informations- und Wissensmedien

  • Stehen unterschiedliche Informationsquellen zur Verfügung?
  • Können neue Medien wie Computer und Internet genutzt werden?

9. Adaptive Instruktion und Lernbegleitung

  • Steht eine Lehrperson (Coachs, Tutoren) oder stehen Mitlernende (Peers) als Coaches zur Verfügung?

10. Feedback, Beurteilung

  • Sind gegenseitige Rückmeldung und Lernerfolgskontrollen vorgesehen?
     

1Nach Prof. Dr. Kurt Reusser, Pädagogisches Institut der Universität Zürich

Schulmeister, R. (2005). Plädoyer für Offene Lernumgebungen. In: Ben Bachmair/Peter Diepold/Claudia de Witt (Hrsg.): Jahrbuch Medienpädagogik 4. S. 43-53. Wiesbaden: VS Verlag für Sozialwissenschaften