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Hilfe zur gemeinsamen Selbsthilfe

von Lydia Rufer

Wie Sie die «kollegiale Praxisberatung» für den Hochschulunterricht nutzen können.

Studierende haben oft hohen Beratungs- und Coachingbedarf: Probleme beim Schreiben von Hausarbeiten, beim Absolvieren von Praktika, beim Lösen komplexer Aufgaben oder beim Verständnis anspruchsvoller Texte führen zu Frustration und Motivationsverlust.

Ähnlich oft haben Dozierende aber gar nicht die Zeit, um alle Studierenden hinreichend persönlich zu unterstützen.

In diesem Fall oder zur unterstützenden Strukturierung der Selbststudienzeit hilft die Methode „Kollektive Praxisberatung“: die Studierenden treffen sich in Gruppen von 5-7 Teilnehmenden und besprechen Probleme von Gruppenmitgliedern in strukturierter Form. Auf diese Weise profitieren alle: die problembringenden Studierenden erhalten Lösungsvorschläge und die anderen üben sich im Abwägen adäquater Problemlösungen. Und wenn die eingebrachten Probleme exemplarischer Art sind, können alle von den erarbeiteten Lösungen lernen.

Kollegiale Praxisberatungen dauern ca. eine Stunde. Sie können von Lehrpersonen, aber auch von Studierenden moderiert werden.

Ein möglicher Ablauf:

  1. Einstieg: alle Teilnehmenden berichten von ihren Anliegen. (10 min)
  2. Auswahl: die Gruppe entscheidet, welches Anliegen bearbeitet werden soll. (5 min)
  3. Exposition: die problembringende Person beschreibt das Problem und formuliert sein Anliegen an die Gruppe. (10 min)
  4. Rückfragen: die problembringende Person beantwortet Fragen der Gruppe zum Problem. (5 min)
  5. Feedback: die Gruppe meldet zurück, was ihr beim Zuhören aufgefallen ist. (5 min)
  6. Stellungnahme: die problembringende Person nimmt zum Feedback Stellung. (5 min)
  7. Brainstorming: die Gruppe formuliert Lösungsvorschläge bzw. Handlungsideen. (5 min)
  8. Stellungnahme: die problembringende Person formuliert, welche Vorschläge sie sinnvoll findet und ausprobieren möchte. (5 min)
  9. Auswertung: alle Beteiligten formulieren, was die Beratung bei ihnen bewirkt hat. (5 min)

Alternativ zum Feedback lässt sich auch eine „Tratschrunde“ einsetzen, d.h. die Gruppenmitglieder diskutieren darüber, was ihnen beim Zuhören aufgefallen ist, ohne sich an die problembringende Person zu wenden. Diese hört zu und macht sich Notizen.

Wichtig ist, dass sich alle Studierenden aktiv beteiligen.

Quellen:

Linderkamp, Rita (2011): Kollegiale Beratungsformen. Bielefeld: Bertelsmann.

Nüesch, H. und Good, H. (2008): Kollegiale Praxisberatung (Intervision). http://www.concentria.ch/Dokumente_PDFs/KollegialePraxisberatung.pdf

Schulz von Thun, Friedemann (1996): Praxisberatung in Gruppen. Einheim: Beltz.

Thomann, Geri und Brunner, Heinz (2009): Kollegiale Beratung in Gruppen: ein Mittel berufsbezogener persönlicher Qualitätsentwicklung. Luzern 2009. http://www.bbe.ch/bildung/documents/Ref.kollBergtKLU0509.pdf