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Direkte Instruktion

von Thomas Tribelhorn

Besser als Frontalmonolog: Wirksamkeit durch Struktur und Anweisung

Direkte Instruktion (engl.: direct instruction, DI) ist eine Methode, deren hohe Wirksamkeit empirisch gut belegt ist. Gemäss den Forschungsergebnissen eignet sich DI besonders zum Aufbau von Grundlagenwissen. Auf den ersten Blick ist sie stark dozierendenzentriert: Die Lehrperson bestimmt die Ziele und die Standards zur Erfolgsbewertung, sie demonstriert den erwünschten Prozess bzw. die richtige Lösung modellhaft und erläutert mittels Kurzreferat die zentralen Konzepte. Dann lässt sie aber üben, gibt Rückmeldung, korrigiert und fasst am Schluss das Wesentliche zusammen. DI geht damit weit über einen «Standardmonolog» hinaus, welcher sich meist nur um die vierte der folgenden sieben Komponenten dreht.

Komponenten

Es werden primär sieben Komponenten erläutert, die den Charakter von DI ausmachen:

1) Plausible Lernziele:

Lehrenden muss im Detail klar sein, welche Learning Outcomes am Ende der Lerneinheit erreicht werden sollen. Die Ziele müssen anspruchsvoll, aber erreichbar sein und zu Beginn den Lernenden verdeutlicht und begründet werden. Als daraus abgeleitete Bedingung müssen transparente Beurteilungskriterien kommuniziert werden.

2) Voraussetzungen schaffen:

Die Lehrperson prüft das Vorwissen der Lernenden, um es bei Bedarf mit angemessenen Mitteln zu nivellieren (z.B. durch Fragen im Plenum oder Selbst-Tests mit Auto- oder Peer-Feedback).

3) Anschaulicher Einstieg:

Zur Heranführung an das Thema wird ein problemorientierter Einstieg präsentiert. Die Ausgangslage wird idealerweise mit Hilfe von Medien veranschaulicht, beispielsweise durch eine kurze Videosequenz oder eine illustriere Fallbeschreibung.

4) Strukturierter Input:

Die Lehrperson erläutert Kernkonzepte und zeigt modellhaft optimale Lösungen. Dabei sind gute inhaltliche Erläuterungen zentral. Durch Etikettierung, Kategorisierung oder Vergleiche wird den Zuhörenden die Orientierung erleichtert.

5) Angeleitetes Üben:

Es folgt eine kurze Übungssequenz, in der die Lernenden individuell die erlernten Schritte durchspielen. Die Lehrperson beobachtet, gibt individuelle Rückmeldungen und bringt allenfalls Korrekturen an. Die Lernenden erhalten dadurch direktes und korrigierendes Feedback zu ihrer Aktivität, was dem Prinzip der adaptiven Lehre entspricht.

Je nach Zeitbudget und Anzahl Teilthemen werden Punkt vier und fünf mehrfach durchlaufen.

6) Zielführender Abschluss:

Auf die Abschlussphase wird viel Wert gelegt. Ein simples «Gibt es noch Fragen?» reicht nicht. Dozierende müssen hier zentrale Punkte zusammenfassen und Kernbotschaften nochmals formulieren und zu einem kohärenten Ganzen verbinden. Der Abschluss dient zur Klärung und zum Schliessen allfälliger Lücken.

7) Individuelle Anwendung:

Die Anschlussphase kann je nach Zielsetzung unterschiedlich gestaltet sein. Ziel ist die Anwendung des Gelernten im Sinne des Transfers auf ähnliche Aufgaben und Sachverhalte. Dies kann in Form individueller Aufträge nach der Lerneinheit (z.B. mit kommentierten Beispielen) oder als kooperative Lernsequenz organisiert werden. In jedem Fall muss zu einem späteren Zeitpunkt auf die Lösungen der Transferaufgaben eingegangen werden.

Wirkfaktoren

Auf den ersten Blick sieht dies wie herkömmlicher Frontalunterricht aus. Wesentliche Faktoren wirksamer Lehre sind jedoch leicht zu erkennen: Transparenz, Kognitive Aktivierung, Feedback und Adaptive Lehre.

Gruppengrösse

Die beschriebene «Originalversion» von DI erfordert bei Schritt fünf eine gut überwachte Übungssequenz und korrigierendes Feedback. Dies ist bei einer Seminargruppengrösse bis ca. 25 Teilnehmenden machbar, in einem Vorlesungssaal jedoch schwierig zu realisieren. Es ist jedoch durchaus denkbar, die Studierenden durch einen klar definierten Ergänzungsauftrag zu gegenseitigem Feedback anzuhalten. Von Bedeutung ist zudem ein anschaulicher Einstieg. Ausserdem sollte auch hier auf maximal zwanzigminütige gut durchdachte Präsentationsphasen gebaut werden.

DI ist in den USA «eine grosse Sache» und wird sogar durch ein nationales Institut gefördert, das den Anspruch hat, sämtliche verfügbaren Informationen zu sammeln und zu veröffentlichen. Die Forschungsbasis scheint breit zu sein und umfasst offenbar mehrere hundert Studien aus den vergangenen vierzig Jahren. Die durchschnittliche Effektstärke liegt bei einem für die Lernforschung sehr guten Wert von d=1.01. Zwei Erfolgskriterien werden oft betont: wöchentliche und tägliche Repetition sowie intensives individuelles Üben. Als inhaltlich wichtige Merkmale für Lehrende gelten die Konzentration auf zentrale Konzepte («big ideas») und Lernaufgaben, in denen die Lernenden Unterschiede und Gemeinsamkeiten eruieren müssen («sameness analysis»).

Zum weiterlesen:

National Institut for Direct Instruction: www.nifdi.org

Hattie, J. & Anderman, E. M. (2013). International Guide to Student Achievement. London: Routledge