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Vorlesungen mit Zoom & Co.

von Thomas Tribelhorn

Muss das wirklich sein?

Mit Hochdruck stellen Heerscharen von Lehrenden ihren Unterricht auf Fernlehre um. In Krisensituationen greift man auf Bewährtes zurück. Wenn eine Vorlesung bisher rund lief, so ist das Naheliegendste, diese nun über eine Webkonferenz durchzuführen. Wie so oft ist das Naheliegendste aber nicht immer das Optimalste, denn bereits beklagen Studierende und Lernende anderer Stufen veritable «Zoom-Marathons».

Online-Frontalunterricht ist suboptimal

Durch Frontalunterricht können viele Gleichzeitig mit Informationen beliefert werden. Mit digitalen Mitteln ist das aber jenseits der synchronen Präsenz aller möglich. Ein Video hat z.B. den Vorteil, dass es in individuellem Tempo bearbeitet werden kann, der Online-Livedozent kann nur beschränkt zurückgespult werden. Die Idee von «Flipped Classroom» ist eben, genau diesen Nachteil zu neutralisieren.

Im Sinne der Nachhaltigkeit von Motivation und Lernertrag lohnt es sich also, über die Ränder des Bewährten hinauszuschauen und die eigene Lehre der heutigen oder gar morgigen Situation anzupassen. Hierzu einige Vorschläge.

Live Online ist nicht Live Onsite

Verzichten Sie wenn möglich auf die Livepräsentation per Webkonferenz. Sie können nicht dieselbe Atmosphäre wie auf dem Campus schaffen. Bereiten Sie Ihre Präsentation besser im Büro als SlideCast  oder PenCast auf. Beachten Sie die entsprechenden Tipps dazu.

Inverted Classroom Model

Drehen Sie um! Gemeint sind der Input und dessen Verarbeitung. Stellen die die Präsentation im Netz zur Verfügung. Ergänzen Sie sie mit Bearbeitungsaufträgen und fordern Sie die Ergebnisse bis zum Stichtag ein, am besten über das Learning Management System. Eine Webkonferenz macht danach mehr Sinn, z.B. zur gebündelten Beantwortung der Fragen aus dem Forum.

Interaktion und Rhythmisierung

Webkonferenzen sind sinnvoller, wenn Interaktionen stattfinden. Lassen Sie dazu auch Teilgruppen in Breakout-Rooms diskutieren, die meisten Systeme bieten diese Möglichkeit. Ansonsten können die Lernenden sich vorübergehend auch auf eigenen Kanälen treffen. Meetings von mehr als einer Stunde sollten auch online rhythmisiert werden.

Zudem bleibt die Gefahr der "illusion of understandig" auch online dieselbe: Solange die Zuhörenden nichts selber reporduzieren müssen, ist auch ihnen selber nicht klar, ob sie verstanden haben. Durchsetzen Sie das Online-Plenum also mit Kleingruppenarbeiten oder individuellen Aufträgen und setzen Sie am Anfang und am Schluss die Klammer mit einem Plenum. Generell gilt: Videokonferenzen müssen gut vorbereitet sein, beachten Sie die entsprechenden Tipps.

Alternative Szenarien

Erwägen Sie alternative Lernszenarien. Vieles ist mit den verfügbaren Technologien bereits niederschwellig möglich, z.B. Lernteamcoaching, Online-Postersession, Lesen mit Selbsttests oder MikroArtikel schreiben lassen. Weitere Ideen finden Sie hier.